Archive for the ‘Malaysia’ Category

Im Lehnwortparadies
Februar 12, 2008

Wenn ich auch gar nichts verstehe, wenn ich den Malaysiern zuhoere, mich nur oft durch die guturalen „goe“ (du musst es voellig geschlossen und „elektrisch“ aussprechen) und die gellenden „i“ an Thai erinnert fuehle, ergoetze ich mich doch an den Strassenschildern und Reklametafeln, weil sie endlich fuer mich lesbar und so herrlich intuitiv sind.
Um mit dem harmlosesten zu beginnen, haben die Malaysier endlich damit aufgeraeumt, Konsonanten zu schreiben, die eh keiner spricht. Es steht also „Restoran“ ueber der Wirtschaft oder „Pos“ auf dem Gebaeude mit dem Brieftaubenlogo. Sie schreiben auch „Poskod“ und jeder weiss was gemeint ist. Manchmal muss man schon laut lesen, um zu verstehen, worum es sich handelt. Ich meine nicht „bilik“, das haben wir sofort erkannt, aber „Stesen“. Du glaubst es spaetestens, wenn du vor dem zugehoerigen Gebaeude stehst. Sehr nett finde ich auch „Motosikal“ oder „Lampu“ fuer Ampel.
Es gibt natuerlich auch klassische Irrtuemer. Meine Enttaeuschung hielt sich allerdings in Grenzen, als ich feststellen musste, dass mit „Cuci Kereta“ nicht kretische Kueche, sondern so etwas Profanes wie Autowaesche gemeint war.
Auf ihren Strassenschildern geht es sehr geschwaetzig zu. Man versucht durch die schiere Groesse der Lettern und damit auch der Schilder dem Autofahrer schon von Weitem zu ermoeglichen mit dem Lesen zu beginnen, damit er fertig ist, wenn das Schild da ist.
Wenn man unterstellt, dass die Malayen einen Sinn fuer Ironie besitzen, kann man auch die ueblichsten sogar verstehen: z.B. „AWAS, Kawasan Kemalangan“ wuerde in echtem Deutsch heissen „Vorsicht Fahrbahnschaeden“ oder „AWAS Kanak Kanak Sehkolah Melintas di Hadapan“ heisst etwas freier uebersetzt, aber sachlich richtig (jedermann weiss, dass Wortwiederholungen der Pluralbildung dienen): „Vorsicht ihr Kanaken, seht ihr nicht das da ne Schule ist“

Im Schmelztiegel
Februar 2, 2008

Malayen hoeren das nicht gerne, wie viele bei uns auch, doch Malaysia wird mit der Vokabel „Multikulti“ am besten beschrieben. Die Volksgruppen sind im Wesentlichen die muslimischen Malaysier, die Chinesen, die die beinah gesammte Wirtschaft im Griff haben und die Inder. Gleich in der ersten Stadt nach der Grenze, Kangar, fiel mir auf, dass die Beschilderungen zweisprachig sind, aber nicht wie in Thailand auf Thai und evt. soetwas wie Englisch, sondern in romanischen Buchstaben Malayisch und ausserdem Chinesisch. Beinahe jedermann spricht Englisch. Ich war verwundert, denn Kangar ist ueberhaupt kein Touristenspot. In Thailand haette die Antwort auf eine beliebige Frage „English, no“ geheissen oder „no haepp“ (= don’t have), wenn einer nicht zugibt kein Englisch zu koennen, aber mit der Frage nichts anfangen kann. Hier bekommt man Antwort! Ist das Schulsystem so viel effizienter? Am zweiten Tag kam ich nach Baling, vorbei an vielen Schulkindern, schoen nach Knaben und Maedchen getrennt, in uniformer, streng muslimischer Bekleidung. In einem „Rekrearsie“ einem Erholungspark, wie ihn jede Stadt hat, schaekerten ein paar Teenies miteinander. Ich fragte, ob ich einen Blick in ihr Mathebuch machen duerfe und war bass erstaunt, dass hier der Lehrstoff auf Englisch dargeboten wird. Der Unterricht ist bilingual. So tastete ich mich Stadt um Stadt an Antworten heran. Dass das Englische hier von allen Altersgruppen benutzt wird, hat offenbar damit zu tun, dass das Malayische zwar Amtssprache ist, aber nicht die lingua franca fuer die verschiedenen Volksgruppen. In einem Cafe hoerte ich so einen Inder sich mit seiner chinesischen Begleiterin auf Englisch unterhalten. Wo werden nun die indischen und chinesischen Kinder unterrichtet? Ich weisses nicht. Das Strassenbild wird ueberall von den Muslimen bestimmt. Der Unterschied zu den ersten Staedten, die ich passiert habe, ist, dass in solchen mit staerkerer Durchmischung wie in Kuala Kangsar, auch viele Musliminnen Hosen tragen, das typische Kopftuch hingegen fehlt nie. Die Frauen, die sich hier modisch kleiden, sind ausnahmslos Chinesinnen. Inderinnen tragen manchmal Sahries, meistens aber Arbeitskleidung und sind nur durch ihre Gesichtszuege und die Tikka als indisch zu erkennen.