Territorio Mapuche

Bei uns kaum bekannt, sind die Mapuche eine Volksgruppe, die ein riesiges Gebiet, bestimmt größer als Deutschland, besiedeln und etwa 10% der chilenischen Bevölkerung ausmachen. Die Spanier konnten sie nicht unterwerfen. Erst nach ihrer Saatsgründung 1818 konnten die Chilenen sie mit einer großen militärtechnischen Übermacht besiegen. Das hat Spuren hinterlassen. Die Mapuche sind nicht freiwillig Chilenen, weshalb ich sie auch nicht meine, wenn ich von Chilenen schreibe. In Argentinien haben sie einen anderen Status als in Chile, wo sie, wie sechs weitere indigene Völker, nicht in der Verfassung verankert sind. Vielleicht ist das der Grund, warum der Mapuche-Konflikt ein chilenisches Problem ist.

Obwohl Che Guevarra bei seiner berühmten Motoradtour durch Südamerika beidseits der chilenisch-argentinischen Grenze als Arzt „Indianer-Siedlungen“ aufsuchte und das Elend dort ihn politisch motivierte und radikalisierte, bekamen die Kommunisten diesseits der Anden nie politische Mehrheiten zustande. Auch Salvador Allende bildet da keine Ausnahme, einmal, weil er kaum gewählt, weggeputscht wurde und zum anderen weil er als Sozialist, nur einem linksorientiert-antiklerikalen Parteienbündnis vorstand.

In Argentinien, wo die (kommunistischen) Perronisten staatstragend sind, wird Che Guevara verehrt.

Der Mapuchekonflikt wird in seiner militanten Form von einer jungen Bewegung getragen. Vordergründig ist es ein ethnischer Konflikt, in dem die Frage der Besitzrechte thematisiert wird. Wenn man im Mapucheland an den Elendsquartieren der Indigenen vorbeifährt und dann wenig weiter an modernen Bungalows mit neuen Pickups im Carport, sieht man seine soziale Dimension. Man kann nachvollziehen, dass sich die Indigenen benachteiligt fühlen. Ob der offenkundig weit verbreitete Alkoholismus unter ihnen Ursache oder Auswirkung sind, bleibt Anschauungssache. Aus ihrer, sicher auch vereinfachenden, Sicht haben ihre ohne den Begriff „Landbesitz“ aufgewachsenen Vorfahren ohne Profit ihr Land verkauft, aus dessen Besitz über die Jahre die europäisch-stämmigen Chilenen ihren Wohlstand generiert haben. Sozial abgehängt, wollen sie ihre kulturelle Identität nicht vermarkten, sie schotten sich ab. Die jungen Mapuche, die nun gegen den Staat, in dem sie leben, aufbegehren, verüben Brandanschläge auf Geräte aber auch auf Waldparzellen auf den Grundstücken ihrer chilenischen Nachbarn, um die Siedler vom Mapucheland zu vertreiben. Um Purén scheint das teilweise schon funktioniert zu haben. Als Gegenwehr hat der Staat Land aufgekauft, um es neu zu verteilen. Dass die Eukalyptuswälder in diesem Gebiet großflächig abgebrannt wurden, wird auch den Mapuche zu Last gelegt, denn die Nachbarstadt von Purén, Los Sauces ist die Hochburg der Mapucheaufstände.

Bei uns hört man kaum etwas von diesem Konflikt, der schon seit Jahren schweelt. Die Regierung hat Militär in die Region geschickt, das mit Radpanzern auf den Straßen patroulliert. Offenbar sind einige Rädelsführer der Aufständischen schon im Gefängnis. An den Buswartehäuschen sieht man Parolen „Freiheit für …“ – wie früher in Südtirol.

Die Selbstdarstellung der Aufständischen nimmt zuweilen künstlerische Formen an.

Aus der Sicht der europäischen Einwanderer, die ja selbst oft seit einigen Generationen in Chile leben, sind die Landkäufe rechtsgültig. Die Regierung verteidigt deren Eigentum. Auch Leute, die einen recht liberalen Eindruck machen, geben den Mapuche die Schuld an der Verhärtung der Fronten.

In Purén habe ich mit Harold, einem Tourismusbeauftragten der Regierung gesprochen. Harold organisiert Meetings in dieser Region, in der es schwer ist Touristen anzulocken, weil sie als „no go area“ des Konflikts gebrandmarkt ist. Leute, die vom Tourismus leben, sollen sich die Frage stellen, was sie selbst dafür tun können, dass Kunden wieder kommen. Harold fragt: Was ist die Geschichte, was sind die Stärken der Region? Darauf angesprochen meint er, dass zu diesen Stärken nicht etwa die Mapuche-Kultur gehören könnte. Die Mapuche hätten den Kontakt zu ihrer eigenen Kultur längst verloren. Zumindest gelte das für die Generation, die jetzt den Konflikt antreibt. Sie seien kulturell entwurzelt und würden deshalb sich auch so abschotten, dass sie in Tourismus-Konzepte nicht eingebunden werden können.

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