Archive for Januar 2008

Durch den Flaschenhals: Bangkok – Chumphong
Januar 27, 2008

Meine Erwartungen waren nicht zu hoch gesteckt. Flachetappen haben mich noch nie faszinieren koennen und scheinbar will die tropische Hitze auch nicht unbedingt Rekordjagden um viele Tageskilometer unterstuetzen.

Gleich am ersten Tag nach Weihnachten verkalkulierte ich mich etwas. Erst um halb drei kam ich los, weil der Koenigspalast mit  seinen vergoldeten Tuermen und endlosen Wandfriesen doch laenger fesselte als vorhergeahnt. Bangkok hat alle Gesichter grosser Staedte, die man sich denken kann: Die Skyline von Manhattan, die Kanaele von Venedig und der Koenigspalat laesst sich ohne Uebertreibung in einem Atemzug mit dem Kreml nennen. Wie bereits befuerchtet war Damnoen Saduak nicht 60, sondern 107km entfernt und trotz der Brettlebene durch die ich raste nicht mehr bei Tageslicht erreichbar. Ich bezog ein Hotelzimmer in Fusswegentfernung des beruehmten „schwimmenden Marktes“, dessen buntes Treiben in jedem Bildband ueber Asien zu finden ist und war ganz happy, dass ich beim Schlendern ueber den Nachtmarkt nicht nur den Magen fuellen konnte, sondern auch ein Schild „old market“ entdeckte. In der Meinung den Touristenhorden ein Schnippchen zu schlagen, fuhr ich schon um 1/2 7 noch in der Morgendaemmerung den Schildern nach und legte meine Kamera in Anschlag. Mit asiatischer Stoik ertrug ich die Enttaeuschung, dass sich gar nichts entwickelte, die Boote ausblieben. Bei einer Schuessel Nudeln wurde ich von der Koechin geweckt: „dein Markt ist einen Kilometer weiter oben“. Als ich entlang der verschlafenen Kanaele die naechste Wasserstrasse erreichte sah ich sie: Eine Armada von Lontailbooten, die mit droehnenden Motoren die Touristen heranschaufelten zu einem bunten Markt, zu dem ich aber bereits zu spaet kam, denn auf ein Boot einer Gewerbetreibenden kamen bereits drei Boote von Schaulustigen. Etwas enttaeuscht und aegerlich auf mich selbst zog ich ab und fuhr weiter.

Es wurde nicht der gluecklichste Tag, obwohl ich Nebenstrecken befuhr, die in meiner Karte nicht verzeichnet waren und ich so dem Verkehr entkam. Kaum hatte ich den Golf von Thailand erreicht, las ich auf grossen Bandarolen: „Cheat the Farang, we have been cheated“ und „Get out Farang“ und diese auslaenderfeindlichen Parolen bezog ich sehr auf mich. Es sollte ein paar Tage dauern, bis die freundlichen Menschen mir gezeigt hatten, dass das eine Randgruppenmeinung ist.

Erst am naechsten Tag, als ich Hua Hin hinter mir gelassen hatte, wurde die Landschaft interessanter, weil nicht mehr bretteleben. Hunderte Kilometer war ich unter Palmen entlang gefahren, immer mit demselben Blick auf weisse Sandstraende, auf Kuehe unter Kokusnusspalmen, denen weisse Reiher das Ungeziefer aus dem Fell picken. Endlich hob das beeindruckende Massiv des Sam Roi Yot den Horizont. Eine Nationalparksgrenze durfte ich ohne Gebuehren zahlen zu muessen, ueberqueren und so erreichte ich am Abend eine Bucht mitten zwischen schoenen Kaerstkegeln: Vorgeschmack auf den Sueden.
Obwohl die Landschaft wieder zu ihrer monotonen Ebenheit zurueckfand, blieb die Laune gut, denn bei jeder Pause hatte ich interessante Begegnungen mit thailaendischen Touristen, die ueber den Jahreswechsel aus Bangkok an die Straende stroemten und mit ein paar Brocken Englisch nette Gespraechspartner waehrend meiner Pausen abgaben. Ich erreichte Chumphong wie geplant an Sylvester, indem ich den Nachmittagregen als Kuehlaggregat nutzend eine 161 km Etappe hinlegte. Der Sylvesterabend selbst verlief dann voellig unspektakulaer, mit einer kleinen Feier in den leeren Strassen dieser Provinzhauptstadt.

Grenzgaenge
Januar 27, 2008

Ranong liegt an einer tief in die Halbinsel einschneidenden Bucht der Adamanensee, die durchwoben ist mit Inseln und so fast ein Binnenseegefuehl erzeugt. Auf der anderen Seite ist Myanmar. In der Stadt ist die Naehe zu Burma gut spuerbar, die Maenner in Wickelroecken, denen man begegnet sind Birmesen und ebenso die schlanken Frauen mit ihren ernsten fast indisch wirkenden Gesichtern. Neben ihnen machen sich die Thaifrauen staemmig aus – tatsaechlich sind die meisten pummelig hier – und sie betonen gerne, wie um doch zu punkten, dass den Gazellen vom anderen Ufer das Laecheln fehlt.

Man muss, um sein Visum zu verlaengern Thailand verlassen und neu einreisen. Eine merkwuerdige Regelung, die einen eigenen Unternehmenszweig „Visarun“ in Thailand entstehen lies und den Nachbarlaendern Visagebuehren fuer Eintagesvisa in die Kassen spuehlt. Ich mache also diesen Tagesausflug, denn meine Aufenthaltsgenehmigung endet am 20. Januar. Kaytops Schwester Tongpop begleitet mich. Zunaechst hole ich mir einen Austrittsstempel im Immigration Office. Ein erster Schlepper verlangt den vierfachen Faehrpreis und blitzt ab.

Nur wenig spaeter draengeln wir uns durch eine der windschiefen hoelzerenen Lagerhallen, hinter der sich statt einem Landesteg eine „Draengelzone“ fuer Longtailboote befindet. Ueber Duzende Anleger balancieren wir in das Boot, das unser Schlepper zu befuellen im Begriff ist. Warum ausgerechtet das jetzt dran ist, bleibt dem ungeuebten Auge ein Raetsel. Wir legen ab aus diesem unglaublichen Getuemmel und kehren doch noch einmal fuer einen weiteren Fahrgast zurueck. Behutsam laesst der Skipper sein Boot zwischen die anderen reinkrachen und treibt so wie ein Keil die anderen Boote auseinander. Die Boote tragen deutliche Spuren dieser vom Autoscooter wohlbekannten Art der Navigation.

Noch bevor wir auf die Adamanensee hinausfahren landen wir beim ersten Immigration Checkpost und das selbe Gedraenge wie am Hafen wiederholt sich hier. Ein Boy klettert mit den Paessen der Passagiere hoch zu dem Officehaeuschen. Die Longtailboote bieten den Anblick einer nicht mehr ganz modernen Seeschlacht. Die See schwappt, die Logtails spritzen Wasser durch die Luft. Peilpunkt ist eine vorgelagerte Insel, auf der schon von Ferne eine grosse goldene Buddha-Statue zu sehen ist. Hier befindet sich ein weiterer Checkpoint der Thai-Immigration. Das Ritual des Kampfes unter den Booten um die schnellste Abfertigung wiederholt sich hier, bevor es hinaus auf den Meeresarm geht. Auch diesmal peilen wir erst wieder ein dem Festland vorgelagerte Insel an, auf der diesmal die Birmesen kontrollieren. Die letzte Station bringen wir an Land hinter uns. Im Immmigrationoffice sind die Preise angeschrieben. Sie haben sich seit 2005 verdoppelt. mit der 14-Tages Aufenthaltsgenehmigung, Kostenpunkt 10 US$ kann man realistisch gesehen nichts anfangen, denn man darf die Stadt nicht verlassen. Fuer Tongpop kostet das gleiche Visum 30 Baht, weniger als einen Dollar.

Wir schlaengeln uns durch den engen Basar. Tongpop scheint auf der Flucht zu sein. In einer zur Hafenpromenade parallelen Strasse wird es ruhiger und wir streben dem Tempel auf einem Huegel zu. Der innere Bereich ist weiss gefliest. ich kneife die Augen zu so sehr blenden die Kacheln und geniese gleichzeitig barfuss ihre Kuehle. Ein Mopp bettelnder Kinder stoert unsere Kontemplation so sehr, dass wir uns in einen weniger sauberen, aber fuer die Kinder offenbar tabuen Bereich der Klosteranlage zurueckziehen. Sie gehoert angeblich zu den bedeutensten des Landes, vielleicht weil sie so viele Dioramen aufweist, die um die Stuppa herum wohl geschichtliche Szenen illustrieren. Selbst wenn sie, wie die Freskos in unsren alten Kirchen auch, dazu da sind oder waren einem Analphabeten religioese Unterweisung angedeihen zu lassen, haetten wir doch Erklaerungen gebraucht. Merkwuerdig, dass sich dazu kein Erwerbszweig gebildet hat – Betteln ist einfacher.

Als wir den Wat verlassen, kommen wir wieder unweigerlich in das Fahrwasser der Schlepper. Tongpop und ich wollen nicht das Gleiche, was einem Besuchsprogramm im Wege steht. Wir verstaendigen uns darauf nach Thailand zurueckzufahren und so dem staendigen Werben um meine Bahts zu entgehen. Die Prozedur der Herfahrt wiederholt sich spiegelbildlich. Schaukelnde Boote draengeln aneinander, rufende Schlepper, nur dass jetzt die Sonne heisser geworden ist, die meisten Passagiere sich unter Sonnenschirmen vor ihr schuetzend mit Puder bestaeuben, um den Schweiss zu absorbieren.

Ein kleiner Zwischenfall wuerzt die Ueberfahrt als bereits auf der Thaiseite sich herausstellt, dass einer der Fahrgaeste, wie alle ausser uns Birmese, keinen Pass hat. Debatten, Versicherungen ihn eben erst verloren zu haben, Krisenmanagement via Handy. Offenbar gibt es eine Loesung am Immigrationcheckpoint fuer den jungen Mann (fuer 30 Baht). Es ist schon interessant, mit welcher Stoik die uebrigen Passagiere die Verzoegerung hinnehmen, kein Murren.

Als wir mit dem Zweibaenker, genannt Sawthawng Ranong erreichen, bin ich mehr geschafft als nach einem Radltag. Mein Visum reicht nun bis zum 2. Februar, die Thais sind kleinlich mit der Berechnung der Aufenthaltstage, zaehlen den Einreisetag mit. Ich rechne nach: 6 Tage bis nach Malaysia von Christians Abreise an sollten reichen.

Am Weg
Januar 1, 2008

Es wird nicht das Tagebuchschreiben ersetzen koennen, aber im neuen Jahr eine neue Form? Einen Versuch ist es wert.